stille hunde
 


Übersicht


I. Kabarettistisches
II. Theaterklassiker

III. Live-Hörspiele


IV. Stücke für Kinder

V. Programme für Jugendliche


VI. Literatur auf der Bühne: Szenische Lesungen


1. Lyrik & Prosa, Episches & Dramatisches, gemischt / 2. Literatur der Goethezeit / 3. Krimi, Abenteuer, Schmöker & Co / 4. Gothic Novels / 5. Satiren / 6. Erotische Erzählungen / 7. Literatur der Moderne / 8. Märchen / 9. Lyrik



I. Kabarettistisches

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Marzipanschweine

Eine Nebenzimmerkomödie

Der Gebrauchtwagenhandel läuft bescheiden, und er hat eine Ex und zwei Kinder zu alimentieren. Trotzdem lässt Jens es sich nicht nehmen, seine Hochzeit mit Janine in großem Stil zu feiern. Mit von der Partie im luxuriösen Landhaushotel ist sein Bruder Olaf, den die Erinnerungen an die verstorbene Liebe seines Lebens verfolgen. Gar nicht in Feierlaune versteckt er sich im Nebenzimmer des Festsaals, wo ihn Jens im Laufe des Abends aufspürt, um ihn mit einer Brautjungfer zu verkuppeln. Während sich vor der Tür die Gäste zu Polonaisen und anderen Desaster formieren, kommen die ungleichen Brüder erst ins Gespräch, dann in Streit über das, was im Leben zählt, und das, was wirklich nicht sein muss: Pimp-a-Bride-Agenturen, Mamas Meinung, Bettwanzen und eine Braut, die haut.

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Schwalbe, du Mädchen!

Chronik eines Kreisligaspiels


Champions sind sie wahrhaftig nicht, die Kicker, die vom Ex-Fußballprofi Schepek trainiert werden. Ganz im Gegenteil. Keiner von ihnen scheint für den Rasen geboren zu sein, weder der zentnerschwere Verteidiger Gabler, noch der ängstliche Möhlich, weder der Gelfrisurenfreund Kordes noch die beiden testosterongetriebenen Stürmer Radic und Possmann. Und auch der namenlose Rest der Gurkentruppen macht dem Vereinssponsor keine Ehre und erst recht keine Freude. Dabei würde Harry Seele fast alles für einen Sieg geben. Tatsächlich zieht der skrupellose Fußballfreund hinter den Kulissen gewaltig die Strippen, besticht mit Geld und guten Worten fast alle und jeden. Leider ist wahre Hingabe an den Sport nicht in jedem Fall käuflich und so spitzt sich nicht nur das Geschehen auf dem Spielfeld, sondern auch abseits der Öffentlichkeit dramatisch zu, und Harry Seele droht über die Unfähigkeit seiner Spieler, eine Saunabekanntschaft mit Edelrassehund, die Migräneanfälle der Ehefrau und die ponyhofbesessene Tochter schier den Verstand zu verlieren.


In ihrer „Chronik eines Kreisligaspiels” werfen Stefan Dehler und Christoph Huber satirische Schlaglichter auf die treibenden Kräfte in einer fiktiven Fußballprovinz: In den Rollen des Trainers Schepek und des Vereinssponsors Harry Seele reden und schweigen sie in zweimal 45 Minuten über alles, was ihre Helden bewegt: die Aussichtslosigkeit, mit rein sportlichen Kräften ein Spiel zu gewinnen, das Gel in den Haaren der Spieler, Abseitsfallen und die verpassten Torchancen des Lebens.

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Hammerschlag und Muffensausen
Heimwerkertragödien


Nichts kann so zerstörerisch für eine Ehe sein wie die Liebe eines Mannes zu seinem Schwingschleifer. Und nichts so lebensbedrohlich wie der Ehrgeiz, stockbesoffen auf Bierkästen balancierend eine Vereinsfahne über der Tür anzunageln. Nichts ist so kopfzerbrechend wie das Gewicht eines Hängeschranks, der von nicht fachmännisch eingedrehten Schrauben gehalten wird. Aber ebenso kopfzerbrechend kann auch eine simple Rechenaufgabe sein, wenn es gilt, die Anzahl von benötigten Fliesen pro Quadratmeter zu ermitteln. Die Welt der Heimwerker ist eine tragische, ganz gleich, was die Werbung der Baumärkte auch immer verspricht. Wasserschäden und Stromschläge, zersplitterte Kacheln, stürzende Schrankwände, absackende Terrassen, windschiefe Gartenhäuser und wackelnde Zäune sind die traurige Wahrheit.


Von Könnern, heimlichen Tricksern und unheimlichen Versagern, vor allem aber von den dramatischen Folgen der Leidenschaft fürs Selbermachen erzählen Stefan Dehler und Christoph Huber an diesem Abend. Zur Sprache kommen ganz nebenbei auch Einsatzmöglichkeiten chinesischer Duschkopfplagiate, die Misere unlesbarer Gebrauchsanweisungen und die Nützlichkeit von handtaschengroßen Werkzeug-Sets.

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Anarchisten

Eine Kasperletheater-Revue


Wer des Lebens müde ist, den holt im besten Fall der Tod. So geschieht es dem bühnenlahmen, zu keinem anarchischen Späßchen mehr aufgelegten Kasper. Der Sensenmann schickt den einstigen Helden spektakulärer Possen auf die vermeintlich letzte Reise. Zwischenhalte bei Gott und Teufel offenbaren dem vom Tod Gezeichneten aber, dass es weder Paradies noch Hölle für einen geben kann, der sowieso nie von dieser Welt war. Und so findet der Kasper sich samt seiner unseligen Truppe dort wieder, wo nach Theatergesetzen endgültig Schluss mit lustig ist und wo eine grausige Endzeitstimmung fröhliche Urstände feiert: im Bauch des Krokodils. Aber wie schon der Teufel prophezeit hat, kommt im Moment der größten Finsternis von irgendwo ein Lichtlein her. In diesem Fall: der letzte Funke Selbstachtung in Herz und Hirn des Kaspers - entzündet durch die Begegnung mit dem Geist seines lange toten Vaters Hanswurst. So also kommt es, dass weder er noch sein fröhlich-dusseliger Kompagnon Seppel, weder Großmutter noch Gretel, weder Zauberer noch Hexe, weder König noch Prinzessin, weder Räuber noch Polizist ganz und gar verzweifeln müssen, sondern einander dumm und dämlich quatschend einen Ausweg aus der Misere suchen, den - oh Wunder des Theaters! - einige tatsächlich auch finden.


Stefan Dehler und Christoph Huber greifen in ihrer Hanswurstiade mit allen vier Händen die altbekannten Typen des Kasperlespiels auf und bürsten die Charaktere mal mehr, mal sehr gegen den Strich. Dabei bedienen sie sich ungeniert aus dem Theaterfundus, dass es nur so staubt und flockt. Wer will, hört hier und da im verspielten Getümmel die Historie stöhnen, einen Klassiker nostalgisch raunen, die Zeitgeister kichern. Wer nicht will, der kann sich leicht an das halten, was das Kasperletheater seit Urzeiten ausgemacht hat: derber Spaß mit und ohne Pflaumenkuchen. Gerne auch ohne Moral.



II. Theaterklassiker

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Faust

Szenische Lesung mit Puppen nach der Tragödie von Johann Wolfgang von Goethe in Einfacher Sprache


Die Stoßseufzer des Gelehrtes Heinrich Faust sind erhört worden. Der Teufel Mephistopheles, der mit Gott eine Wette über die Verführbarkeit des Menschen abgeschlossen hat, stellt sich bei Faust zu Besuch ein und macht ihm ein Angebot: Er will dem über der akademischen Forschung über den Ursprung alles Existierenden müde und verzweifelt gewordenen Doktor die Geheimnisse der irdischen Welt offenbaren. Als Gegenleistung erbittet er sich die Seele des Alten nach dessen Tod. Faust willigt ein. Mephisto führt ihn zunächst in ein Wirtshaus, wo dem Trunk und der Geselligkeit ausgiebig gehuldigt wird. Die Späße, die der Teufel dort mit den Gästen treibt, können den Alten jedoch nicht begeistern, und so ordnet der Teufel Faust zunächst eine Verjüngungskur in einer Hexenküche an. Erstarkt und verschönt wird Faust nun ein leichtes Opfer seiner wiederbelebten Begierden. Auf dem Domplatz begegnet er dem Mädchen Margarethe, in das er sich Hals über Kopf verliebt. Mephisto erhält nun Befehl, Faust Zugang zu der Naiven zu verschaffen, old boy meets young girl, und so nimmt das Unheil seinen Lauf.


Eine gute Dreiviertelstunde rezitieren Stefan Dehler und Christoph Huber einen liebevoll nachgedichteten und dramaturgisch vereinfachten Text mit ein paar originalen Goethe-Einsprengseln. Mit viel Witz und Mut zum Puppentheaterspaß stellen sie so das gewichtige Drama vom Kopf auf die Füße und machen den Ursprung von Goethes Inspiration, das Volksbuch und die Puppenbühne, aufs Lustvollste kenntlich. Wer schon immer wissen wollte, um was es bei der Tragödie erster Teil im Wesentlichen geht, der kommt hier auf seine Kosten. Ohne Philosophisterei, Philosophie oder sonstige akademische Spitzfindigkeiten. Na ja, fast ohne. 

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Eine Weihnachtsgeschichte
nach der Erzählung von Charles Dickens


Herr Scrooge arbeitet hart für sein Geld und hat nichts zu verschenken. Nichts und niemandem. Auch nicht zu Weihnachten. Da schon gar nicht. Herr Scrooge hält das Geschenkemachen nämlich grundsätzlich für eine unverantwortliche Geldverschwendung. Er spart lieber. Verständlich, dass Herr Scrooge keine Freunde hat. Und so sitzt er am Weihnachtsabend alleine in seiner ungeheizten Wohnung. Alleine? Nein, nicht ganz. An diesem Abend kommen ungebetene Besucher - und als die wieder verschwunden sind, ist Herr Scrooge ein anderer Mensch geworden…


Stefan Dehler und Christoph Huber haben aus der berühmten Geistergeschichte von Charles Dickens ein raffiniert konstruiertes Zwei-Personen-Stück gemacht, das die Geschichte von der wundersamen Wandlung des boshaften Ebenezer Scrooge durch die Geister der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft mit viel Spielwitz auf die Bühne bringt.

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King Dickie
frei nach William Shakespeares Tragödie von König Richard dem Dritten


Dem Frieden fühlt er sich nicht gewachsen. Richard, jüngster Bruder des gerade gekrönten Königs, vermisst das Schlachtgetümmel. Also setzt er sich ein Ziel, das nur mit Blutvergießen zu erreichen ist: der Thron von England. Die neuen Verhältnisse erfordern aber neue Strategien. Anstatt mit offenem Visier den Gegner herauszufordern, setzt Richard ganz auf die Kunst der Täuschung, und unter der Maske des Königstreuen intrigiert und mordet er sich hoch hinauf. Doch alle List nützt ihm nichts. Als neuer Herrscher sieht er sich einem Heer von Feinden gegenüber, das er sich selbst geschaffen hat. Am Ende der steilen Karriere findet er sich auf dem Schlachtfeld wieder, wo er sein Königreich gegen ein Pferd eintauschen will und schließlich alles, Macht und Ansehen, Leib und Seele, verliert.


Stefan Dehler und Christoph Huber haben das Drama des legendären Schurken in ein zeitgemäßes, lebendiges und starkes Deutsch übersetzt, das die kabarettistischen Anteile des Originals nicht verschweigt, sondern den sarkastischen Wortwitz, die boshaften Ironie und die Volkstheaterkomik hörbar macht. Selbstredend hat das Duo das dramatische Gewebe von allerlei Schlingen und Knoten befreit und - das quasi mit der lustvollen Verve der kriminellen Titelfigur - etliche Charaktere der Vorlage über die dramaturgische Klinge springen lassen.



III. Live-Hörspiele

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Der Krieg mit den Molchen
Live-Hörspiel nach dem Roman von Karel Čapek,
Musik von Leon Hast


Die Entdeckung einer zweiten hochintelligenten Spezies stellt die bis dato vom Menschen beherrschte Welt auf den Kopf. Anfänglich noch als naive Handelspartner akzeptiert, werden die ursprünglich in einer einsamen Lagune der Südsee beheimateten Supermolche schließlich zum Opfer eines entfesselten Kapitalismus, der ihre Fähigkeiten ausbeutet. Speziell gezüchtete Sklaventiere errichten im Auftrag von privaten Baugesellschaften und staatlichen Industrien unterseeische Bauten und Dämme. Schließlich jedoch bilden sich unter der Führung charismatischer Anführer rebellische Gegenbewegungen in den Molchgesellschaften. Die Herrschaft des Menschen scheint an ihr Ende gelangt, als die Molche gemeinsam den Krieg gegen ihre Unterdrücker beginnen...


Karel Čapeks 1936 entstandener fantastisch-satirischer Roman liest sich heute als Menetekel des europäischen Kolonialismus und als Warnung vor menschengemachter Umweltzerstörung, gleichermaßen aber auch als Parodie auf das literarische Genre der Dystopie. Elemente der Science-fiction mischen sich mit Abenteuerromankapiteln, mit Stilmitteln des Sensationsjournalismus, des Sozialdramas, mit kabarettistischen Einlagen und Wissenschaftssatire. Augenfällig ist der Kontrast zwischen komischen Stilmitteln und ernsthaften Aussagen, zwischen schrägen Gags und bösen Pointen. stille hunde hat eine Live-Hörspielfassung für drei Akteuere aus dem vielstimmigen Erfolgsroman gemacht.

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Deutsche Stunden
Eine Hörchronik, Musik von Leon Hast


Vierundzwanzig Stunden hat der Tag. Gefühlt sind es mal mehr, mal weniger. Auf die Situation kommt es an. Dem einen frisst die Zeit das Leben, der andere lebt in der Zeit. Von den langatmigen Momenten und den blitzartig vorübereilenden Ewigkeiten, von Wartezeit und Schrecksekunden, von den flüchtigen und den schweren Momenten, die den Alltag des Durchschnittsdeutschen rund um die Uhr kennzeichnen, erzählt die live gesprochene und abgemischte Hörchronik, die sich aus einer Vielzahl von Miniaturdramen und Klang-Bruchstücken zum akustischen Bild eines Tages verdichtet: Da ist der Busfahrer, der kurz nach Mitternacht den letzten Gast an der Endstation verabschiedet, die Mutter, die das noch schlaftrunkene Kind im der Kita abgibt, der Paketbote, die Lehrerin, die Ärztin, der Manager, die Instrukteurin der Putzkolonne, die Sachbearbeiterin in der Ausländerbehörde, das Radiomoderatoren-Pärchen, das den Pendlerströmen morgens und abends mit ewig guter Laune die Staus ansagt, der Vater, dem das gemeinsame Essen am Abendbrottisch heilig ist - banale Menschen in banalen Situationen, und doch anrührend komische und tragische Helden. Mit jedem Vorrücken des Zeigers auf dem Zifferblatt der Uhr erscheinen neue Szenen und Figuren, haben ihren kurzen, oft nur sekundenlangen Auftritt und verschwinden dann wieder - denn: alles hat seine Zeit.

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Studer ermittelt

Live-Hörspiel nach dem Roman Matto regiert von Friedrich Glauser


Wenn die Vernunft schläft, erwachen Ungeheuer. Die psychiatrische Klinik Randlingen, in die es den Berner Ermittler Jakob Studer nach einem Anruf in den frühen Morgenstunden verschlägt, erweist sich als ein Ort, an dem Wahn und Verwirrung herrschen. Ein Patient ist verschwunden, ein großer Geldbetrag wurde gestohlen, der Direktor der Psychiatrie wird tot aufgefunden. Was zunächst wie die Taten eines Einzelnen aussieht, erweist sich als irreführender Eindruck. Der an den Tatort gerufene Studer lässt sich nicht täuschen. Mit dem untrügerischen Instinkt des altgedienten Polizisten erspürt er die Widersprüche in Aussagen und Verhalten von Patienten und Personal, und nach und nach gelingt es ihm, die wahren Verbindungen und Motive hinter den Verbrechen zu enthüllen.


Friedrich Glauser schrieb sich 1936 mit dem Kriminalroman „Matto regiert” seinen Unmut über die Verhältnisse in der Psychiatrischen Klinik Münsingen, in der er Patient war, von der Seele. Der Skandal, den das Erscheinen des Buchs auslöste, war zunächst dem heftigen Protest derjenigen geschuldet, die sich als Figuren des Romans verzerrt dargestellt fühlten, führte schließlich aber auch zu ernsthafter Kritik an den Leitbildern, der Konzeption und an der Praxis der schweizerischen Heil- und Pflegeanstalten. Für den Zeit seines Lebens von Depressionen heimgesuchten, durch Drogenmissbrauch belasteten und entmündigten Schriftsteller bedeutete die Niederschrift eine Auseinandersetzung mit der eigenen Krankheitsgeschichte und den Erlebnissen in der Psychiatrie, aber auch den Versuch einer Selbstheilung durch künstlerische Kreativität. Friedrich Glauser gilt heute als Meister des psychologischen und sozialkritischen Kriminalromans.


Stefan Dehler und Christoph Huber stellen den Roman in einer 80minütigen 3D-Audio-Hörspielfassung vor, die live gespielt und von einer speziell eingerichteten Tonbühne mittels Kunstkopfmikrophonie der Bovender Firma friends of green sonic auf Kopfhörer übertragen wird.




IV. Stücke für Kinder

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Der gestiefelte Kater
Stück für Kinder ab 4 Jahren

nach dem Märchen der Brüder Grimm

„Wie der Herr, so das Gescherr”, behauptet der Volksmund und hat dabei - Gott sei Dank - nicht immer recht. Denn im Falle praktischer Klugheit kann es vorkommen, dass der Diener dem Herrn überlegen ist. Eines der prominentesten Beispiele dafür ist der märchenhafte Kater, der - ausgestattet mit einem Paar schöner Lederstiefel - seinen Besitzer zu Einsicht, Grundbesitz und Krone bringt, ohne dass dieser so ganz versteht, wie ihm geschieht.


Stefan Dehler und Christoph Huber erzählen die berühmte Geschichte, die als eines der Märchen der Brüder Grimm in den Kanon der Weltliteratur eingegangen ist, mit einer ganzen Reihe origineller Theatermittel als Paradebeispiel tierischer Schlauheit und menschlicher Einfalt nach.

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Kalif Storch

Stück für Kinder ab 4 Jahren nach dem Märchen von Wilhelm Hauff


Wo die Wirklichkeit Grenzen setzt, eröffnet die Magie Wege. Der Kalif von Bagdad wagt den Schritt in das Reich des Fantastischen, als er einem fliegenden Händler eine Droge abkauft, das ihn und seinen Wesir in Störche verwandelt. Der Zauber gerät jedoch zum Albtraum, denn die beiden vergessen das Wort, das ihnen die menschliche Gestalt zurückgeben kann. Der Kalif muss erkennen, dass er Opfer der Intrige eines bösen Magiers geworden ist, der die Herrschaft an sich reißen will. Kalif und Wesir bleibt nichts anderes übrig, als sich in ihr Schicksal zu fügen. Die Reise, auf die sich die Verwandelten nun begeben, führt sie jedoch auf verschlungenen Pfaden zurück zu Ansehen, Macht und Glück: zuerst in die Behausung einer in eine Eule verwandelten Prinzessin, dann zum geheimen Schlupfwinkel des Magiers und schließlich in Menschengestalt wieder nach Bagdad.


Stefan Dehler und Christoph Huber erzählen Wilhelm Hauffs berühmte Orientfantasie mit Mitteln des Objekt- und Figurentheaters nach. 

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Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat
Stück für Kinder ab 4 Jahren nach dem Bilderbuch von Werner Holzwarth und Wolf Erlbruch


Geschichten sind ein wunderbares Geschenk. Vor allem, wenn sie von einem Tier berichten, das man so gut wie nie sehen kann, weil es im Verborgenen lebt und nur ganz selten ans Tageslicht kommt. Ein Tier wie ein Maulwurf beispielsweise. Wenn einem solchen Tier auch noch etwas Aufregendes passiert, dann ist es eine fast schon perfekte Geschichte. Und so beginnt sie: Der kleine Maulwurf schaut gerade aus seinem Hügel heraus, um nachzusehen, ob die Sonne schon aufgegangen ist. Da fällt etwas vom Himmel. Es ist rund und braun und sieht ein bisschen wie eine Wurst aus. Und das Schlimmste: Es fällt ihm auf den Kopf. Weil das, was ihm da auf den Kopf gefallen ist, überhaupt nicht dahin gehört, ist der Maulwurf sehr wütend. Er will wissen, wer ihm auf den Kopf gemacht hat, und begibt sich auf den Weg, um den Übeltäter zu finden. Jedes Tier, das ihm begegnet, wird verhört und muss seine Unschuld augenfällig beweisen...


Christoph Huber und Stefan Dehler haben mit einfachen Theatermitteln aus dem Kult-Bilderbuch ein anarchisches Stück Clowntheater gemacht, das nicht nur den kleinen Zuschauern gefällt, sondern auch Erwachsenen Spaß macht. Das Duo zeigt seine freche Bühnenfassung nun schon seit über zehn Jahren in Göttingen und als Gastspiel im In- und Ausland.

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Cowboy Klaus und das pupsende Pony
Stück für Kinder ab 4 Jahren nach dem Buch von Eva Muszynski und Karsten Teich


Zu einem richtigen Cowboy fehlt Klaus noch einiges. Richtige Cowboys schlafen nämlich nachts am Lagerfeuer und trinken Kaffee aus Blechtassen. Klaus schläft nicht am Lagerfeuer, sondern im Federbett und er trinkt aus einer Porzellantasse mit Blümchenmuster. Seine Arbeit ist auch nicht das Kühetreiben, sondern findet auf den Feldern seines Bauernhofs statt. Natürlich stinkt ihm das. Als es ihm eines Tages bei der Maisernte besonders stinkt, entdeckt er auf einmal ein Pony, das mitten im Feld steht, Maiskolben frisst und pupst. Klaus ist glücklich. Ein solches Reittier kann er gut gebrauchen, wenn er seinem Traum vom Cowboyleben ein Stück näher kommen will. Leider lässt sich das Pony nicht einfach so reiten, sondern rast mit Klaus davon, um ihn irgendwo draußen in der Wüste vor die Füße eines Fremden zu werfen...


„Cowboy Klaus und das pupsenden Pony" ist der erste Band einer erfolgreichen Reihe von satirisch gefärbten Geschichten, die das Autorin-Grafiker-Gespann Eva Muszynski und Karsten Teich für Erstleser konzipiert haben. Stefan Dehler und Christoph Huber haben das Abenteuer des Möchtegerncowboys mit dem pupsenden Pony und seinem wahren Besitzer erstmals auf die Bühne gebracht.

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Käpten Knitterbart und seine Bande
Stück für Kinder ab 4 Jahren nach dem Bilderbuch von Cornelia Funke und Kerstin Meyer


Wer würde nicht gerne einmal Pirat sein, mit vollen Segeln in See stechen und ehrliche Seeleute ausrauben? Damit auch alles genau so geschieht, wie man es sich vorstellt, müsste man allerdings der Anführer der Bande sein. Dazu braucht man ein langes Messer, eine Pistole, eine angsteinjagende Brüllstimme und einen schaurigen roten Bart - ganz so wie der gefürchtete Käpten Knitterbart. Allerdings sollte man eines nicht tun: Kleine Mädchen überfallen. Das hat der Käpten Knitterbart nämlich getan, und das war sein größter Fehler...


stille hunde geben der bekannten Bilderbuchgeschichte einen herrlich ironischen Dreh, wenn sie - scheinbar ganz ohne Absicht - in lustvollem Streit eine abenteuerliche Männerfantasie in eine Geschichte der mutigen und starken Frauen verwandeln.



V. Programme für Jugendliche

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Die Besserung
nach Berichten ehemaliger Häftlinge des Jugendkonzentrationslagers Moringen


Als die Jugendlichen Wilhelm und Franz 1942 im Konzentrationslager Moringen inhaftiert werden, schwören sie sich Freundschaft. Der Terror des Lagers trennt sie. Fünfzig Jahre später schreibt Franz auf dem Sterbebett einen Brief an den einstigen Mithäftling. Was er nicht weiß: Wilhelm ist längst verstorben. Der Brief, der nicht zugestellt werden kann, erweist sich als schweres Erbe für die Söhne der beiden ehemaligen KZ-Insassen. Zwei Männer, die sich vorher nie begegnet sind, beginnen, über die Jugend ihrer Väter in der NS-Zeit zu sprechen.


Das rund einstündige Stück, das in Kooperation mit der KZ-Gedenkstätte Moringen entstand, ruft die Geschichte des niedersächsischen Lagerortes Moringen ins Bewusstsein und greift mit einem Fallbeispiel aus der regionalen Geschichte das Thema „Jugend im faschistischen Deutschland“ auf. „Die Besserung“ schildert die Schicksale zweier von den faschistischen Behörden als „asozial“ eingestufter, jugendlicher Insassen. Eingebettet ist diese Erzählung in einer Rahmenhandlung, in der zwei Söhne sich mit den traumatischen Lebenserfahrungen ihrer Väter auseinandersetzen. Damit bringt das Stück eine lange verschwiegene und vergessene Einrichtung der Nationalsozialisten in Südniedersachsen, der während der NS-Zeit überregionale Bedeutung zukam, wieder in Erinnerung, thematisiert die Verletzung der Menschenrechte während des Terrorregimes der Faschisten und problematisiert das Kriterium des „Asozialen“, das in der Mehrzahl der Fälle zur Inhaftierung von jugendlichen Männer in Moringen führte. Daneben wird gezeigt, dass die Opfer in der Extremsituation des Lagers moralische und soziale Vereinbarungen untereinander aufgeben - um zu überleben.

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Bücher brennen!
Szenische Lesung für zwei Sprecher unter Verwendung von historischen Dokumenten


Die szenische Lesung zeichnet den Gang der Ereignisse rund um den 10. Mai 1933 nach. Die Performance ist ein akustisches Bild der Zeit vor und nach den deutschlandweit durchgeführten Bücherverbrennungen, gibt Einblicke in die ideologischen und organisatorischen Zusammenhänge. Neben dem Wortlaut der lokalen Berichterstattung sind Reportagen von anderen Brandorten zu hören, werden Äußerungen von Tätern wiedergegeben und die Sicht der Opfer vermittelt.


Die szenische Lesung wurde erstmals 2010 zum Jahrestag der Bücherverbrennung von 1933 auf dem Göttinger Albaniplatz vorgestellt. Die Feature-Dramaturgie komprimiert Ereignisse der neuren Geschichte zu einem Gesamtbild, in dessen Zentrum die Frage nach den ideologischen Gründen für die systematische Zerstörung des Kulturgutes Buch steht.

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Wolfsjahre
Szenische Lesung des Dokumentartheaterstücks von Dieter Schenk


Heinrich Anton Wolf gehörte zu den Juristen im nationalsozialistischen Deutschland, denen auch in der jungen Bundesrepublik alle Türen offen standen. Als Mitglied der NSDAP und begeisterter Anhänger der völkischen Idee war der junge Jurist verantwortlich für eine Rechtsprechung, in der Staatsraison und ideologische Ausrichtung Vorrang eingeräumt wurde vor Gerechtigkeit und Achtung der Menschenwürde. Durch Falschaussagen und Gefälligkeitsgutachten entlastet, konnte er nach Kriegsende jedoch seinen beruflichen Werdegang fortsetzen und hohe juristische Ämter ausüben. Die vom hessischen Generalstaatsanwalt Fritz Bauer angekündigte Überprüfung aller leitenden Beamten bewegte ihn zum Ausscheiden aus dem Staatsdienst und zur Annahme eines Mandats im Hessischen Landtag. Danach war er noch für vier Jahre als Landrat des Landkreises Limburg-Weilburg tätig. Sechsundsiebzigjährig starb er 1984 als öffentlich geehrter Mann. Erst fünfundzwanzig Jahre nach seinem Tod wurden seine Verfehlungen in der NS-Zeit publik gemacht und die offiziellen Würdigungen seiner Arbeit skandalisiert. Heute steht der Name Heinz Wolf für Opportunismus, persönliche Skrupellosigkeit, das Wirken von Seilschaften, die Ignoranz von bundesdeutschen Behörden und einen zynischen politischen Pragmatismus in der westdeutschen Nachkriegszeit.


Der Kriminalist, Autor und Publizist Dieter Schenk hat sich der Lebensgeschichte Heinz Wolfs angenommen und ein monologisches Dokumentartheaterstück nach historischen Quellen erstellt, das die Karriere eines überzeugten Nationalsozialisten in der Bundesrepublik Deutschland als Lehrbeispiel für fragwürdige Kontinuitäten zeigt. stille hunde stellt den Theatertext als mehrstimmige Leseperformance vor.



VI. Literatur auf der Bühne:

Szenische Lesungen



1. Lyrik & Prosa, Episches und Dramatisches, gemischt

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Rotkäppchenvariationen

Ein satirischer Streifzug durch die Bestände


Wer kennt sie nicht, die Erzählung vom Mädchen mit der roten Kappe, das eines Tages von einem Wolf gefressen wird? Immerhin gehört die Geschichte ja zu den bekanntesten der Brüder Grimm und gilt als Inbegriff der deutschen Märchenkultur. Nur wenige wissen aber, dass das berühmte Rotkäppchen und sein Widersacher, der Wolf, einen Migrationshintergrund haben: Tatsache ist, dass die beiden ursprünglich aus Frankreich stammen und erst seit Mitte des 19. Jahrhunderts in Deutschland beheimatet sind. Seither haben Rotkäppchen und der Wolf im deutschsprachigen Sprachraum eine steile Karriere gemacht, die noch lange nicht beendet ist. Denn beide Helden haben immer wieder ihre Kostüme gewechselt, und ihre Geschichte ist in immer neuen Variationen nacherzählt wurde - von berühmten ebenso wie unbekannten Autorinnen und Autoren.


Stefan Dehler und Christoph Huber haben die Bestände der historischen und neueren Nachdichtungen gesichtet und stellen in ihrer szenischen Lesung die besten der von ihnen aufgespürten Fassungen vor.

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Das Literarische Roulette: Ritter, Tod und Teufel
Ausgeloste Weltliteratur und sonstige Poetry von drachentötenden Recken bis zum Hexeneinmaleins


Lyrik und Prosa, Helles und Schnelles, Ganzes und Halbes, Geistesblitze und schwere Brocken von Goethe, Shakespeare & Co haben stille hunde unter dem Motto "Ritter, Tod und Teufel" aus den alten und nicht ganz so alten Beständen der Literaturgeschichte zusammengetragen. Neben Meisterwerken sind gerechterweise auch Produkte gemäßigterer Talente und tolldreister Dilettanten dabei. Die Programmfolge des Abends ist aber erfreulich offen: Der Zufall entscheidet, was wann präsentiert wird. Die Vortragsexperten liefern sich und ihr Publikum an diesem Abend dem Spielglück aus - allerdings mit der Versicherung: „Jede Zahl gewinnt!“. Also: Hören und genießen oder staunen. Es kommt, wie es kommt. Und das ganze 90 Minuten lang.

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Das Literarische Roulette: Boys & Girls
Ausgeloste Weltliteratur und sonstige Poetry von One-Night-Stands bis zur ewigen Liebe


Was wäre die Weltliteratur ohne das Thema der Paarbeziehung? Auf jeden Fall geringer. Stefan Dehler und Christoph Huber haben sich mit einem Teil des verbleibenden größeren Teils beschäftigt und Gereimtes und Ungereimtes, Winziges und Gewaltiges, Farbechtes und Verblichenes, mal zarte, mal wilde, mal komische und mal tragische Beiträge zum Thema "Boys & Girls" von Abraham a Sancta Clara bis Stefan Zweig zusammengeklaubt. Was davon am Abend zu Gehör kommt, bleibt allerdings - passend zu Liebesdingen - ganz dem Zufall überlassen. Publikum und Vortragende sind auf Gedeih und Verderb der Glücksgöttin ausgeliefert. Aber wer weiß? Vielleicht trifft der eine oder die andere so auf den Text seines oder ihres Lebens. 90 Minuten lang hat er oder sie die Chance dazu.

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Das Literarische Roulette: Sex & Crime
Ausgeloste Weltliteratur und sonstige Poetryvon Lust und Laster, Gift und Dolch, Knall und Fall 


Ein Schuss und Schluss. Besser ein Messer! Liebe ist das schlimmste Gift, sagt man so, wen’s halt betrifft. Gute 90 Minuten lang präsentieren Stefan Dehler und Christoph Huber schwergewichtige wie leichthändig fabrizierte Fundstücke aus den Kriminalarchiven und Giftschränken der Weltliteratur. In ihrer Auswahl haben sie neben erhellend grausigen Studien der Altmeister/innen auch kriminelle Machwerke weniger bedeutender Schreiber/innen berücksichtigt. Allerdings wird an dem Abend nicht alles zum Vortrag zugelassen. Das Sammelsurium der großen und kleinen, lyrischen und prosaischen Texte wird durch das Losglück am Abend konsumentenfreundlich eingedampft. Es gilt: Der Zufall bestimmt das Programm. Was die Spannung erhöht.

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Das Literarische Roulette: Letzte Worte
Ausgeloste Weltliteratur und sonstige Poetry von Winnetous Vermächtnis bis zu Effis letztem Seufzer


Was schrie Kapitän Ahab, bevor ihn der weiße Wal auf Nimmerwiedersehen in die Tiefen des Meeres zog? Wem galt der letzte Gedanke des edlen Apachenhäuptlings Winnetou? Was stöhnte Effi Briest auf ihrem Sterbebett? Stefan Dehler und Christoph Huber haben die letzten Worte von 36 Figuren des internationalen Literaturschaffens zusammengetragen - Gestalten aus allen Epochen und Genres, von Krimi bis Drama, von Schundroman bis Schullektüre. Kalt bis ans Herz überlassen sie die Vermächtnisse dem Zufall. Wessen finaler Stoßseufzer, ultimatives Geständnis, wessen Forderung oder letzte Ermahnung zu Gehör gebracht wird, liegt nämlich in den Händen des Publikums, das die Reihe der literarischen Finales per Los bestimmt. Dabei gilt: „Jeder Zahl gewinnt!”, denn die beiden vortragenden Testamentsverwalter nutzen jeden Moment für krokodiltränenreichen tragischen Witz und schreiend komische Rührung. Die Literaturperformance endet punktgenau nach 90 Minuten.

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Das Literarische Roulette: Die besten Bücher
Ausgeloste Weltliteratur und sonstige Poetry von Perlen bis zu Papiertigern


Unter dem Motto "Die besten Bücher" haben Stefan Dehler und Christoph Huber sogenannte und tatsächliche Meilensteine aus dem Fundus der Literaturgeschichte zusammengesucht, Wegweisendes und Irrlichter, Gereimtes und Ungereimtes, Populäres und Elitäres, Gefälliges und Skandalöses - insgesamt 36 längere und kürze Auszüge aus Romanen, Erzählungen und Gedichtbänden aller Epochen und Genres Das gut hundertzwanzigminütige Programm des Abends wird aus dieser Auswahl gelost. Das Glück entscheidet also, was wann vorgetragen wird, ob Jahrhundertgenies zu Wort kommen oder deutlich kleinere Geister mit ihren Werken vorgestellt werden, ob der Glöckner von Notre Dame sich nach der schönen Esmeralda verzehrt, Lady Chatterley sich in die Hütte des Wildhüters schleicht, Alice das weiße Kaninchen verfolgt, Tom Sawyer einen Zaun streichen lässt oder Wachtmeister Studer einem Einfall nachsinnt. Mit Sicherheit ergibt das Verfahren einen bunten, überraschenden Mix, auf den man sich freuen darf. Auf jeden Fall gilt: "Jede Zahl gewinnt!". Zumindest, wenn die beiden Vortragskünstler selbstlos ihr Bestes geben.

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Das Literarische Roulette: Arbeit, Arbeit über alles
Ausgeloste Weltliteratur und sonstige Poetry von der süßen Last des Schaffensrausches bis zur Knechtschaft im Dienst des Kapitals


Arbeit, der Gottesfluch, der uns das Brot im Schweiß unseres Angesichts essen lässt, und Arbeit als museninspirierte höchste Lust der Kreativität: gelobt, gehasst, geschmäht, geliebt. Stefan Dehler und Christoph Huber verfolgen den schillernden Begriff bis tief in die Abgründe der Literaturgeschichte und lassen Autorinnen und Autoren aller Epochen zu Wort kommen - in Lyrik wie in Prosa. Mal sind es ausgewiesene Sachverständige, die von Glanz und Elend des freiwilligen wie unfreiwilligen Arbeitens berichten, mal sind es die Naiven, Träumer und Idealisten, die sich des Themas angenommen haben. Ein Abend, der den Plantagensklaven neben den Bankier stellt, die Arbeitshäuslerin neben die Universitätsprofessorin, das Epos neben das Kurzgedicht, den Aphorismus neben das Drama. Insgesamt 36 Texte liegen zur Präsentation bereit und erwarten ihr Los. Die Auswahl des Abends überlassen die beiden Bühnenakteure nämlich zuversichtlich dem Zufall. Abgearbeitet wird, was gezogen wurde. Und das 90 Minuten lang. Denn auch der heißeste Schaffensrausch muss ein Ende haben.



2. Literatur der Goethezeit

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Reineke Fuchs
Szenische Lesung der Verserzählung von Johann Wolfgang Goethe


Fuchs bleibt Fuchs, und Gänse wird er stehlen, solange er lebt. Das Offensichtliche dieser Tatsache versteht der schlaue Held der Geschichte aber auf wundersame Weise immer wieder zu verschleiern. So gut beherrscht er die Spielregeln der Gesellschaft, so gut kennt er sich aus im Zwischentierischen, so sehr ist er Meister der Lüge und Manipulation, dass er sich keine Sorgen um sein Wohlergehen zu machen braucht. Zwar häufen sich die Klagen seiner Neider und Opfer beim König der Tiere, aber stets finden sich auch gut bezahlte Anwälte, die seine Sache ins beste Licht zu rücken verstehen. Den Bogen scheint Reineke aber überspannt zu haben, als auf einer Versammlung der Tiere die Präsentation einer gemeuchelten Henne keinen Zweifel mehr am verbrecherischen Charakter des Fuchses offen lässt. Der Löwe sieht sich gezwungen, gegen Reineke vorzugehen. Die königlichen Abgesandten jedoch sind allesamt dem Beschuldigten nicht gewachsen. Mit immer neuen Kniffen und Tricks lässt die der Fuchs in Fallen tappen und entkommt. Am Ende hat er nicht nur seine Gegner überwunden, sondern steht dank Geist und Witz und einer gehörigen Portion Schamlosigkeit wieder im Range eines Ehrenmannes in höchstem Amt und Würden.


Die Erzählung vom Räuber und Betrüger Reineke und seiner Opfer geht auf mittelalterliche, lateinische und französische Quellen zurück. Große Bekannt- und Beliebtheit erzielte im deutschsprachigen Raum der Stoff in der Fassung von Johann Christoph Gottsched, eine Übersetzung aus dem Niederdeutschen. Das Buch regte Goethe 1793 zu einer pointierten Nacherzählung in Versen an, die bis heute durch ihre literarische Kunstfertigkeit als auch die satirische Schärfe fasziniert und amüsiert. Stefan Dehler und Christoph Huber stellen Ihre Interpretation von Goethes „unheiliger Weltbibel“ in einer rund eineinhalbstündigen szenischen Lesung vor.

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Wilhelm Tell
Szenische Lesung des Dramas von Friedrich Schiller


Erfunden haben sie ihn nicht, die Schweizer. Ehrlich nicht! Irgendwoher aus dem Dunkel nordischer Sagen stammt der Mann, der zur Strafe für die Unbotmäßigkeit gegenüber einem Fürsten dem eigenen Sohn den Apfel vom Kopf schießen muss. Dem auf Selbstbestimmung beharrenden Zusammenschluss von helvetischen Kleinfürsten gegen ein zur feindlichen Übernahme stets bereites Rest-Europa diente der selbstbewusste und selbstbestimmte Aufsässige unter dem Namen Wilhelm Tell dann als militantes Leitbild. Zum überzeitlichen Freiheitshelden hat den Partisanen schließlich ein vaterlandsflüchtiger Deutscher gemacht: Friedrich Schiller. In seinem letzten Drama stilisierte er den bergbäuerlichen Widerstand gegen die Herrschaftsansprüche der Habsburger zum universellen Freiheitswillen und gab damit die literarische Steilvorlage für den im Laufe des 19. Jahrhunderts aufblühenden Nationalmythos der Schweizer. Daneben bereicherte der Dichter mit seinem Actiondrama den Zitatenschatz der Deutschsprachigen um ein beträchtliches Konvolut. Heute erscheint der fiktive Held Tell selbst in der traditionsbewussten Schweiz ein wenig seines urwüchsigen Ernstes beraubt. Sein Bild ist zum drittklassigen Werbesignet abgesunken, inzwischen prangt das Bild des mythischen Ur-Schweizers auf Käseverpackungen und Fremdenverkehrsbroschüren, auf Shampooflaschen und Kindertrinkbechern, auf Einkaufstaschen und Bierdeckeln.


Stefan Dehler und Christoph Huber, idealerweise ein deutsch-schweizerisches Team, begeben sich mit Schillers Drama auf die Pfade Wilhelm Tells und erzählen von Liebe und Zorn eines Volkshelden wider Willens. Vielstimmig und vielbärtig, ernst und auch immer mal wieder erfrischend unernst berichten sie in ihrer szenischen Lesung von skrupellosen österreichischen Besatzern und von grundehrlichen Schweizer Bergbauern, vom Hut auf der Stange, von Kindern, die sich nicht vorstellen können, in einem Land zu leben, das keine Berge hat, vom Vorteil einer Axt im Haus, vom Apfelschuss und vom Attentat des Titelhelden in der hohlen Gasse. Wenn notwendig jodeln sie sogar und erklären darüber hinaus gerne das Wesen der Eidgenossen dem Rest der geneigten Welt. 

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Die Leiden des jungen Werthers
Szenische Lesung des Romans von Johann Wolfgang Goethe


Werther schreibt sich die Seele aus dem Leib, so scheint es. Seine Briefe an den besten Freund zeichnen in grellen Farben das Bild eines orientierungslosen Menschen, zerrissen zwischen unbändiger Lebensgier und demoralisierendem Weltekel. Die Hierarchie und die Konventionen der absterbenden Ständegesellschaft, die moralische und philosophische Enge in Köpfen des Bürgertums, die biedere Bildungsbeflissenheit, die Obrigkeitshörigkeit und der Geschäftsinn seiner Mitmenschen - all dies stürzt Werther in tiefste Verzweiflung. Erleichterung findet er allenfalls in der Betrachtung unberührter Natur. Sein Leben erfährt eine ungeahnte Wendung zum Rauschhaften, als er Lotte, die bereits verlobte Tochter des Wetzlarer Amtmanns, begegnet. Beflügelt vom Gedanken, die Zuneigung und die Liebe dieses Mädchens zu erringen, wird er völlig blind für die Spielregeln der Gesellschaft. Bestürzt liest sein bester Freund aus den schwärmerischen Briefen, wie sich Werther zum untragbaren Ärgernis seiner Mitmenschen entwickelt - und schließlich jede Hoffnung auf Glück mit einem Pistolenschuss zunichte macht.


stille hunde stellen die wesentlichen Passagen aus Goethes epochemachenden Briefroman in einer szenischen Lesung vor und geben Goethes Helden Stimme und Gesicht.

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Die alten Fabelwesen sind nicht mehr, das reizende Geschlecht ist ausgestorben
Lyrik und Prosa von Friedrich Schiller


Helden steigen und fallen. Es ist ihr Schicksal, eine Zeitlang in der Gewissheit zu leben, nichts und niemand könne sie aufhalten, sich wie die Götter zu fühlen, und wenn nicht das ewige Leben, so doch den ewigen Ruhm zu erlangen, um dann irgendwann aus diesem Traum aufzuwachen. Der Historiker und gewiefte Theaterautor Schiller hat sich nie Illusionen darüber gemacht, wie es um Ruhm und Nachruhm, Wirkung und Nachwirkung in der Welt bestellt ist.


„Dem Mimen flicht die Nachwelt keine Kränze“ behauptete er in einem Sinngedicht, das er als Vorrede einem Theaterstück voranstellte, und er meint damit nicht nur den Schauspieler auf der Bühne, sondern auch alle diejenigen, denen im wahren Leben eine bedeutende Rolle zugesprochen wurde. An seinen berühmten Theaterfiguren hat Schiller es warnend vorgeführt, wie groß die Wünsche und wie klein im Gengensatz dazu die Kräfte des Menschen sind. Mit ironischem Unterton lässt er den Untergang einer ganzen Kultur von einer seiner Bühnenfiguren, Max Piccolomini in „Wallensteins Lager“, kommentieren: „Die alten Fabelwesen sind nicht mehr, das reizende Geschlecht ist ausgestorben.“ Tröstlich ist aber, dass wir das Verlorene in Gedanken auferstehen lassen können. Der Wissenschaftler rekonstruiert, der Dichter fabuliert. Und so gelingt es, in uns eine Vorstellung zu wecken, von dem, was einmal war. Die Sänger und Heroen der Antike beispielsweise, die jungfrauenfressenden Drachen, Ritter Delorges und der König Franz im Kranz seiner Damen – alles längst Schnee von gestern, aber dank Schillers Erzählkunst in unserer Fantasie doch wieder lebendig.

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Ein so ungeheurer Vorfall
Szenische Lesung von Novellen von Heinrich von Kleist


Neben der Liebesgeschichte inmitten der Wirren einer Naturkatstrophe, die Heinrich von Kleist in seiner Novelle "Das Erdbeben von Chili" erzählt, stellen Stefan Dehler und Christoph Huber mit "Die Marquise von O." und "Ein so ungeheurer Vorfall" zwei weitere Meisterwerke des Autors vor.



3. Krimi, Abenteuer, Schmöker & Co

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Der Hund der Baskervilles
Szenische Lesung des Romans von Arthur Conan Doyle


Die Geschichte des Verbrechens ist die Geschichte der menschlichen Natur. Und sie ist die Geschichte seines beständigen Scheiterns. Dass das so ist, verdanken wir den umtriebigen Gegenspielern des Bösen. Einer der bekanntesten, wenn auch leider nur die literarische Erfindung des schottischen Arztes und Schriftstellers Arthur Conan Doyle, ist der Detektiv Sherlock Holmes. Begabt mit schier unmenschlichen Geisteskräften bringt er Licht ins noch so tiefe Dunkel. Staunend und oft ein wenig düpiert von der intellektuellen Kälte des Verbrecherjäger protokolliert sein Freund und Begleiter Dr. Watson die gemeinsamen Abenteuer.


Stefan Dehler und Christoph Huber spüren in ihrer szenischen Lesung dem Mythos des wohl bekanntesten Detektivs der Literaturgeschichte nach. Im Mittelpunkt ihres Abends steht mit dem Roman "Der Hund der Baskervilles" die Geschichte vom Geisterhund, der den letzten Mitgliedern der Familie Baskerville nach dem Leben trachtet. Stefan Dehler und Christoph Huber führen die Zuschauer lesend, improvisierend und spielend aus dem viktorianischen London in die düsteren Weiten von Dartmoor. Dabei beobachten sie nächtliche Lichtzeichen, lauschen geheimnisvollen Tierlauten und riskieren auch mal einen Spaziergang durch ein Gelände voller tückischer Moorlöcher.

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In achtzig Tagen um die Welt
Szenische Lesung des Romans von Jules Verne


Der exzentrische englische Lebemann Phileas Fogg wettet mit seinen ungläubigen Zeitgenossen, dass es kein Problem sei, den ganzen Erdball in nur achtzig Tagen zu umrunden, was er auch unter Einsatz seines Vermögens beweisen könne und wolle. Der kühne Plan könnte gelingen, wenn nicht Detektiv Fix davon überzeugt wäre, in dem eilig aus London abgereisten Fogg einen gesuchten Bankräuber gefunden zu haben, den es so schnell wie möglich zu verhaften gelte. Immer dichter rückt er im Laufe der kommenden Tage und Wochen dem ahnungslosen Schnellreisenden auf die Fersen. Aber trotz widriger Umstände, halsgefährlicher Situationen und vieler hemmender Fallstricke gelingt es dem mit einer bemerkenswerten Portion Kaltblütigkeit ausgestatteten Fogg und seinem wendigen Diener Passepartout lange Zeit, dem inkognito reisenden Häscher den entscheidenden Schritt voraus zu sein…


Stefan Dehler und Christoph Huber setzen sich mit Jules Vernes Buch in der Hand auf die Spuren des berühmten Weltumrunders und suchen die Schauplätze seiner berühmten Abenteuer auf. In ihrer szenischen Lesung geraten die Wege von London nach Bombay, von Delhi nach Yokohama und von San Franzisco nach New York und Dublin zu den sprichwörtlichen „Katzensprüngen“ – und werden allen modernen Mobilitätsphilosophien zu vergnüglichen Bildungsreisen.

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Die Schatzinsel
Szenische Lesung des Romans von Robert Louis Stevenson


Als der alte Bill Bones sich im Gasthof „Zum Admiral Benbow” einquartiert, erfährt das Leben des jungen Jim Hawkins eine abenteuerliche Wendung. Bones, der auf der Flucht vor gefährlichen Verfolgern ist, vermacht nach seinem Tod dem Jungen seine Habseligkeiten. Eines Nachts wird der Gasthof von einer geheimnisvollen Bande überfallen, die es offensichtlich auf den Nachlass des Verstorbenen abgesehen hat. Jim gelingt in der Dunkelheit die Flucht. Das Päckchen, das er mitgenommen hat, erweist sich als ein Versprechen auf eine Zukunft in Reichtum und Ansehen. Es enthält die Karte einer Insel, auf der der Schatz des legendären Piratenkapitäns Flint versteckt sein soll. Von der Echtheit des Dokuments überzeugt rüsten Freunde und Gönner des Jungen eine Expedition zu der vermeintlichen Schatzinsel aus. Was die redlichen Unternehmer nicht wissen: Ein Großteil der in Eile angeheuerten Mannschaft besteht aus den einstigen Mitgliedern von Flints Piratenbande und plant, Jim und seine Freunde zu ermorden, um so an das für immer verlorenen geglaubte Gold zu kommen...


Stefan Dehler und Christoph Huber begeben sich - Stevensons grandiose Piratenfantasie immer buchstäblich vor Augen - einäugig und holzbeinig, papageienumflattert, triefnasig, enthusiastisch und waffenstarrend auf große Fahrt zu exotischen Gefilden, trotzen den Brechern der Weltmeere, und lassen sich bis an den Rand des Wahnsinns von der karibischer Sonne und der Gier nach Gold foltern.

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Oliver Twist

Szenische Lesung des Romans von Charles Dickens


Der Weg ins Elend scheint vorgezeichnet für den Waisenjungen Oliver. Statt einer fürsorglichen Erziehung und Schulbildung erwarten ihn in den von heuchlerischen Autoritäten lieblos und brutal geleiteten Fürsorgeeinrichtungen Hunger, Krankheiten und Prügel. Um den - nach der Bitte um ein wenig mehr Haferbrei - als aufsässig geltenden Jungen loszuwerden, verkauft ihn das Waisenhaus als Lehrling an den Bestatter Sowerberry. In dessen Betrieb erwarten Oliver die Schikanen des älteren Lehrjungen, Verleumdungen und wieder Prügel. Bereits nach kurzer Zeit reißt der verzweifelte Oliver aus. Eine Zufallsbekanntschaft führt ihn nach London, direkt in die Arme des Gauners Fagin, der eine Bande von Straßenkindern zu Taschendieben ausbildet. Olivers Schicksal scheint eine wundersame Wendung zum Guten zu nehmen, als ihn der wohlhabende Mister Brownlow vor der Verhaftung durch die Londoner Polizei schützt und bei sich aufnimmt. Leider setzen Fagin und dessen brutaler Kompagnon Sikes alles daran, Oliver wieder in ihre Gewalt zu bekommen. Eines Tages gelingt es ihnen, den Jungen auf offener Straße zu entführen. Oliver wäre für immer verloren, wenn ihn nicht doch noch das Mitleid einer jungen Frau und das Vertrauen in die Güte der Menschen retten würde...


Stefan Dehler und Christoph Huber zeichnen lesend und spielend den Weg nach, den Charles Dickens kindlicher Held vom Waisenhaus durch das kriminelle Milieu Londons bis zur rettenden Beletage eines großbürgerlichen Wohnhauses nimmt, und portraitieren die weltberühmt-berüchtigten Charaktere des Romans mit satirischem Witz und Mut zur Groteske.

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Heidi

Szenische Lesung des Romans von Johanna Spyri


Heidi sieht die Welt, und entdeckt Gutes, Wahres und Schönes. Und die Welt erstaunt über das eigensinnige Naturkind. Nach dem Tod der Eltern dem Großvater auf der Hochalm zur Fürsorge überlassen, nimmt die Fünfjährige ihr neues karges Leben mit ansteckendem Gottvertrauen an. Die Alm ist ihr Paradies, und sie bewegt sich darin wie ein Engel am angestammten Platz. Allem und jedem schenkt Heidi ihr Herz: den Blumen der Almwiesen, den rauschenden Tannen hinter der Hüte des Großvaters, den Ziegen, dem ungelenken und menschenscheuen Öhi, dem bitterarmen Hütejungen Peter und dessen blinder Großmutter. Sie liebt vorbehaltlos - und wird vorbehaltlos wiedergeliebt. So sehr, dass es einer Katastrophe gleichkommt, als Heidis Tante das Mädchen in eine Anstellung vermittelt. Es soll Gesellschafterin des schwerkranken Mädchens Klara in Frankfurt werden. Von einem Tag auf den anderem aus dem Idyll der Bergwelt gerissen findet sich Heidi nur schwer in der Welt der Reichen und Gebildeten zurecht. Obwohl sie sofort die Sympathie Klaras gewinnen kann, machen ihr die ungewohnten Zwängen der großbürgerlichen Etikette und vor allem die grausame Pedanterie der Hausdame Rottenmeier das Leben zu Qual. Heidis Sehnsucht nach dem naturverbundenen Leben in der Schweizer Heimat wächst von Tag zu Tag...


Stefan Dehler und Christoph Huber begeben sich auf steile Pfade fernab der Zivilisation und entdecken mit Johanna Spyris 1880 und 1881 erschienenen zweibändigem Jugendroman rund um das Wunderkind Heidi die belebende Schönheit einer utopischen Schweiz, bevor sie sich in den Niederungen des Großstadtlebens mit von Hochhäusern verstellten Horizonten, Tischmanieren, Katzenphobie und dem Konsum von Äppelwoi konfrontieren.

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Leben und Taten des ideenreichen Edelmannes Don Quixote aus der Mancha

Szenische Lesung des Romans von Miguel de Cervantes


Die Bücher sind an allem schuld. Zu viele Rittergeschichten hat er verschlungen, der Landedelmann Don Quesada. Nun ist mit dem Kopf für immer in der Welt der literarischen Erfindungen geblieben und wähnt sich zu einer großen Mission in der märchenhafte Epoche von Helden, Monstern und rettungsbedürftigen Jungfrauen berufen. Und so macht er sich auf dem Rücken seiner Schindmähre auf den Weg, ausgestattet mit rostiger Rüstung und morscher Lanze, um seiner Bestimmung als fahrender Ritter zu folgen. An seiner Seite zockelt in der Rolle des Knappen der dicke Sancho auf seinem Eselchen neben ihm her, denn der übergeschnappte Don hat dem armen Bauern nichts weniger als einen Gouverneursposten in einem noch zu erobernden Reich versprochen. Das seltsame Paar zieht nun als ungewollte Karikatur der legendären Vorbilder durch die Dörfer und Städtchen der Mancha und kämpft, wo es nichts zu gewinnen gibt, und rettet, was nicht zu retten ist.


Miguel de Cervantes ist mit der Erfindung des auf der Grenze von idealistischem Wahn und knochenharter Realität wandelnden Fantasyverrückten und dessen bauernschlauen und doch ewig treudummen Begleiters ein Geniestreich geglückt. Seinen beiden 1605 und 1615 erschienen Bänden mit den Abenteuern des grotesken Duos waren auf Anhieb ein sensationeller Erfolg beschieden - eine Popularität, die bis heute anhält und zahlreiche Bearbeitungen, Fortsetzungen, Dramatisierungen und Bebilderungen nach sich gezogen hat. Stefan Dehler und Christoph Huber folgen nun, das "beste Buch der Welt" als Leitfaden fest in der Hand, den staubigen, aber erlebnisreichen Wegen von Don Quixote und Sancho Pansa.



4. Gothic Novels

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Der seltsame Fall von Dr. Jekyll und Mr. Hyde

Szenische Lesung des Romans von Robert Louis Stevenson


Dem Rechtsanwalt Utterson schwant nichts Gutes. Das Testament, dass einer seiner besten Freunde, der angesehene Arzt Dr. Jekyll, zugunsten eines geheimnisvollen Mr. Hyde verfasst hat, erscheint ihm verdächtig. Denn Utterson hat erfahren, dass der Begünstigte im Verdacht krimineller Machenschaften steht und vermutet einen Fall von Erpressung. Leider will sich sein Freund Jekyll partout nicht von ihm helfen lassen, und so geht der auffällig unsympathische Mr. Hyde weiterhin unbehelligt im Haus des Arztes ein und aus. Als Hyde jedoch unter Mordverdacht von der Polizei gesucht wird, ringt Utterson seinem Freund das Versprechen ab, sich für immer von dem gesuchten Mörder zu trennen. Von nun an bleibt Hyde verschwunden, aber dem Arzt geht es von Tag zu Tag gesundheitlich schlechter - bis Utterson eines Nachts in Jekylls Haus gerufen wird, wo ihn eine schreckliche Enthüllung erwartet...


Robert Louis Stevensons Schauernovelle gehört zu den bis heute populärsten Erzählungen der viktorianischen Epoche und weist nicht nur in eine schwarzromantische Vergangenheit mit Teufelspakten und Hexenelixieren zurück, sondern beschwört erstaunlicherweise ebenso eine heute Gegenwart gewordene Zukunft herauf, in der die wissenschaftliche Forschung Dämonen zu entfesseln droht. Stefan Dehler und Christoph Huber decken Kapitel für Kapitel das Geheimnis der Verbindung zwischen dem ehrbaren Londoner Bürger Dr. Jekyll und dessen amoralischem Schatten Mr. Hyde auf, verfolgen blutige Spuren durch neblige Gassen bis tief in den kriminellen Untergrund der Großstadt London, um am Ende im Labor eines wahnsinnig gewordenen Forschers zu einer erschütternden Erkenntnis zu gelangen.

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Dracula

Szenische Lesung des Romans von Bram Stoker


Im Auftrag einer Londoner Kanzlei reist der Anwalt Jonathan Harker nach Transsilvanien.  Er soll mit dem geheimnisvollen Grafen Dracula über den Kauf von Immobilien in England verhandeln. Trotz eindringlicher Warnungen der Einheimischen, lässt er sich nicht von seiner Mission abbringen und lässt sich zu dem einsamen Schloss in den Karpaten bringen. Harkers anfängliche Irritation über das unheimliche Auftreten des Grafen steigert sich im Laufe der kommenden Nächte zu Todesangst. Er erkennt, dass er in die Hände eines Dämons gefallen ist, der ihn umbringen wird. Harkers letzte Hoffnung ist ein lebensgefährlicher Fluchtversuch. Wenig später erreicht ein Geisterschiff die Küste Englands. Die Einwohner des Städtchens Whitby können sich keinen Reim auf das Schiff ohne Mannschaft machen. Sie ahnen nicht, dass mit ihm eine Bestie nach England gekommen ist. In den folgenden Monaten wird die junge Lucy Westenra jede Nacht von einem geheimnisvollen Wesen aufgesucht, dass ihr Blut trinkt. Als das Mädchen zu sterben droht, ruft ihr Arzt, Dr. Seward seinen erfahreneren Kollegen van Helsing zu Hilfe, der erkennt, dass Lucy von einem blutsaugenden Untoten verfolgt wird. Die Jagd auf den Vampir beginnt. Der inzwischen heimgekehrte Jonathan Harker ist dabei eine wertvolle Hilfe, denn er kennt die Verstecke Draculas…


Stefan Dehler und Christoph Huber stellen mit Bram Stokers Dracula das Urbild aller nachfolgenden Vampir-Romane in einer szenischen Lesung vor. Mit Witz und Mut zur Groteske  führen sie ihre Zuschauer tief ins Herz der Finsternis und demonstrieren nicht nur die Grausamkeit der Vampire, sondern auch die mindestens genauso schaurigen seelischen Abgründe der viktorianischen Engländer.

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Frankenstein

Szenische Lesung des Romans von Mary Shelley


Victor Frankenstein, ein von Idealismus, Fortschrittsbegeisterung und medizinischem Ehrgeiz getriebener Forscher, plant, tote Materie zu beleben. Das im geheimen vorangetriebene Experiment gelingt: Frankenstein erschafft ein menschenähnliches Wesen. Das Geschöpf ist jedoch von erschreckender Hässlichkeit. Verzweifelt über seine Unfähigkeit, natürliche Schönheit nachahmen zu können, verweigert  der Wissenschaftler dem monströsen Lebewesen die nötige Fürsorge und überlässt es sich selbst und den Kräften der Natur - in der Hoffnung, es möge ohne die Hilfe der menschlichen Gemeinschaft umkommen. Aber das Geschöpf überlebt trotz der Ablehnung und Ächtung, die ihm im Umgang mit Menschen begegnen, erlernt in beinahe unbeschreiblicher Anstrengung menschliche Sprache und Sozialverhalten und macht sich schließlich auf die Suche nach seinem Schöpfer. Was dem Menschen immer unmöglich sein wird, erzwingt das von Victor Frankenstein geschaffen Wesen mit Gewalt: das Gespräch mit dem Schöpfer. Für Victor Frankenstein ist die Begegnung mit seiner fleischgewordenen Allmachtsfantasie die endgültige moralische Niederlage. Der Anklage seines Geschöpfes hat er nichts zu erwidern. Er ist das Monster, ein größenwahnsinnig unfähiger Gott. Sein Geschöpf, das nur das Recht auf ein würdiges Dasein verlangt, ist menschlicher als er selbst.


Vordergründig betrachtet scheint es sich bei Mary Shelleys berühmten Roman um eine bloße Schauergeschichte zu handeln. Bei näherer Betrachtung entpuppt sich ihre Erzählung über das waghalsige wissenschaftliche Unternehmen Viktor Frankensteins als ein raffiniertes philosophisches Gedankenexperiment, das mit den heute vorherrschenden, von den populären Filmadaptionen des Stoffes geprägten Vorstellungen nichts zu tun hat. Shelleys Buch besticht trotz melodramatischer Klischees, Schauereffekte und literarischer Schwächen vor allem durch eine verblüffende Ernsthaftigkeit, mit der die Autorin ein großes Thema der Menschheitsgeschichte aufgreift: die unstillbare Sehnsucht des Menschen nach Gottähnlichkeit. Stefan Dehler und Christoph Huber gehen in ihrer szenischen Lesung dem Mythos Frankenstein auf den Grund und stellen Mary Shelleys tragische Helden in einer szenischen Lesung vor.

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Der Vampyr

Szenische Lesung der Novelle von John Polidori


Der junge Aubrey begegnet auf den festlichen Veranstaltungen der Londoner Oberschicht dem geheimnisvollen Lord Ruthven. Er ist fasziniert von dessen Aura, einer eigenwilligen Mischung aus Kälte und Charme, und sucht immer wieder die Nähe des Lords. Zu seiner Überraschung wählt ihn Ruthven eines Abends als Begleiter einer Reise aus. Ziel sind die antiken Stätten in Italien und Griechenland. Begeistert tritt Aubrey die Reise an. Bereits auf den ersten Stationen keimt aber in ihm der Verdacht, dass der Lord ein amoralischer Spieler und Verführer sein könnte. In Rom, wo der Lord sich anschickt, ein junges Mädchen zu verführen, kommt es zum Eklat. Aubrey trennt sich von Ruthven. Allein reist er weiter nach Griechenland.Hier lernt er das Bauernmädchen Ianthe kennen, die ihn auf seinen Streifzügen durch die Gegend begleitet und ihm von Volksbräuchen und Legenden erzählt. Ianthe berichtet auch von einem todbringenden Nachtwesen, das sich immer wieder seine Opfer unter den jungen Frauen des Dorfes sucht. Aubrey verlacht die Ängste des Mädchens. Eines Nachts jedoch wird Ianthe ermordet in einer einsamen Hütte aufgefunden. Aubrey bricht verstört zusammen.


Der inzwischen in Griechenland eingetroffene Lord Ruthven hört von der schweren Erkrankung seines ehemaligen Begleiters und sucht ihn in Athen auf. Er pflegt Aubrey, und einige Wochen später setzen sie gemeinsam die Reise fort. Als sie in den Bergen in einem Hinterhalt von Banditen geraten, wird der Lord tödlich verwundet. Der Sterbende nimmt Aubrey ein seltsames Versprechen ab: Nach der Rückkehr nach London soll Aubrey nichts über den Tod des Lords erzählen.Heimgekehrt wird Aubrey mit den Hochzeitsvorbereitungen seiner Schwester betraut. Entsetzt stellt er fest, dass der Mann, mit dem sich seine Schwester verlobt hat, der vermeintlich tote Ruthven ist, der unter einem anderen Namen auftritt. Vergeblich versucht er, die Hochzeit zu verhindern. Die Macht des Untoten hält ihn im Bann. Aubrey kann das Geheimnis nicht aussprechen. Der immer mehr in Verzweiflung geratende wird schließlich unter die Aufsicht eines Arztes gestellt, der ihn für geisteskrank erklärt. Als ihm am Hochzeitstag die Flucht aus seinem Zimmer gelingt, ist es zu spät. Seine Schwester ist mit ihrem Ehemann bereits zur Hochzeitsreise aufgebrochen. Wenige Stunden später hat Aubrey traurige Gewissheit, dass der Lord ein Vampir ist: man findet die Leiche seiner Schwester.


Nur wenig haben nachfolgende Autoren noch hinzuerfinden müssen. Dr. John Polidoris Novelle 1816 entstandene Novelle enthält nämlich bereits nahezu alle Zutaten, die auch die späteren Vampirerzählungen erfolgreich machten: die Bestie in Gestalt eines Edelmanns, die eiskalten, aber faszinierenden Augen des Fremden, blutjunge schöne Mädchen als Opfer, wildromantische Kulissen mit Ruinen und Mondschein – und einen verzweifelten Helden, der alles versucht, um eine geliebte Frau aus den Klauen des Vampirs zu befreien.

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Der Mord als schöne Kunst betrachtet:

Hopp-Frosch und Das Fass Amontillado

Zwei Erzählung von Edgar Allan Poe


Lachen ist gesund, sagt man. Es kommt aber darauf an, wer und über was oder wen lacht. Tatsache ist nämlich auch: Ein Witz kann tödlich enden. Dass muss der König eines fantastischen Reiches, der sich einen Spaß auf Kosten seines verkrüppelten Hofnarren macht, ebenso erfahren wie der venezianische Lebemann Fortunato, der zu spät erkennt, dass er einen alten Schulfreund wohl besser nicht allzu oft dem Gelächter der Gesellschaft hätte ausliefern sollen. Am Ende verliert der eine in der luftigen Höhe eines Festsaals Haut, Haar und Leben, während dem anderen der Atem in einer unterirdischen Sackgasse stockt...


Dass zu einem Mord mehr gehören sollte als eine dunkle Gasse, ein Knüppel und eine schlechte Gesinnung forderte 1827 schon der englische Schriftsteller Thomas de Quincey in seinem berühmten satirischen Traktat. Und tatsächlich: Was gibt es banaleres als ein Gewaltverbrechen? Das kriminelle Meisterwerk bleibt dagegen die Ausnahme und besonderen Talenten vorbehalten, wie auch die besondere Würdigung der Tat als Kunstform den speziell Interessierten vorbehalten bleibt. Von zwei Genies in der Kunst des Mordens weis de Quinceys amerikanischer Schriftstellerkollege und Altmeister der Kriminalliteratur Edgar Allan Poe in den Erzählungen vom Hofnarren Hopp-Frosch und vom venezianischen Weinkenner in „Das Fass Amontillado” zu berichten. Rachedurst und Lust an der Verstellung stehen in diesen zwei fantastischen Fallstudien in so perfekter Balance, dass sie zu kraftvollen Triebfedern ausgeklügelter Strategien taugen, mit denen Poes Helden ihren Feinden ein höchst grauenvolles Ende bereiten. Dass die Mörder am Ende vollauf zufrieden mit ihren Taten ungestraft davonkommen, beweist einmal mehr, dass sie von der Kunst des Mordens etwas verstehen und schamlos auf den Beifall ihres Publikums hoffen dürfen.


Stefan Dehler und Christoph Huber stellen mit den zwei berühmten Kriminalegrotesken Poes spannende Fälle höchst kunstreichen Mordens als satirische Exempel vor. In dem einen Fall schwingen sie sich gemeinsam mit dem Publikum in die Höhen der geschmückten Festhallenkuppel einer königlichen Residenz auf, im anderen Fall steigen sie in die salpeterverseuchten Verliese eines venezianischen Palazzos hinunter.

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Im Schlund des Teufels

Zwei Erzählungen von Edgar Allan Poe


Zwei Männer in Lebensgefahr. Ort und Zeit des Schreckens könnten unterschiedlicher nicht sein, und doch gleichen sich die Schicksale. Der eine treibt hilflos im Sog gewaltiger Wassermassen vor der norwegischen Küste dem sicheren Tod entgegen, der andere ist in der Finsternis unterirdischer Verliese der Willkür sadistischer Folterknechte ausgeliefert. Trotz aussichtsloser Lage versuchen beide aber das Unmögliche: dem sicheren Tod entkommen. Ihr Überleben ist der Triumph menschlicher Vernunft über die blinden Kräfte der Zerstörung.


Zwei Männer in den Fängen der Pest. Durch einen pestverseuchten Stadtteil Londons streifend geraten die Matrosen Tarpaulin und Bein in die unheimliche Gesellschaft der leibhaftigen Krankheit: König Pest und sein Hofstaat nehmen sie als Gäste in die erlauchte Runde auf. Der finalen Aufforderung, sich zu Tode zu trinken, begegnen die beiden Trunkenbolde mit dem Mut der Berauschten. Sie packen die aristokratischen Gruselgestalten beim Kragen und kämpfen sich den Weg zu Licht, Luft und Leben kurzerhand wieder frei.


Edgar Allan Poe, Meister schwarzer Romantik und Wegbereiter des psychologischen Kriminalromans, spannt mit seinen fantastischen Erlebnisberichten einen Bogen vom naturgegebenen zum menschengemachten Schreckensort, vom todbringenden Naturwunder zum Folterkeller, von der üblen Spelunke zum Totentanzambiente.



5. Satiren

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Amerikanische Komödien

Zwei Erzählungen von Mark Twain


Die turbulenten Ereignisse rund um ein anonymes Geldgeschenk, die der Autor in „Wie Hadleyburg moralisch auf den Hund kam“ beschreibt, enthüllen im Gewand einer Sittenkomödie schonungslos die Doppelmoral einer von puritanischer Weltanschauung geprägten Kleinstadt. In „Die Romanze einer Eskimojungfrau“ portraitiert sich der Autor selbst - in der Rolle eines naiven Berichterstatters am Rande der zivilisierten Welt: Zwischen Begeisterung für ein Leben in Einklang mit der Natur und dem Ekel vor den vermeintlich barbarischen Gebräuchen der Eingeborenen schwankend, gibt er ein Interview mit der Tochter eines reichen Stammesfürsten wieder – das den Einfluss der Zivilisation als unheilvollen Dreh- und Angelpunkt einer tragischen Liebesgeschichte enthüllt.


Mit zwei Erzählungen Twains im Handgepäck („Wie Hadleyburg moralisch auf den Hund kam“ und „Die Romanze einer Eskimojungfrau“) brechen Stefan Dehler und Christoph Huber zu einer Reise durch die moralischen Landschaften eines fortschrittsgläubigen, stolzen und dennoch verletzlichen Kontinents auf, machen darüber hinaus einen Abstecher zum Polarkreis, um einen Abglanz der Zivilisation zu bestaunen. Ganz dem Paradox Twains folgend eignen sie sich dabei die Personen und Gegenstände in liebevoller Betrachtung an und geben sie nichtsdestotrotz in spöttischer Distanz auch dem Gelächter preis.

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Geld oder Liebe

Erzählte Komödien von Anton Tschechow


Dass Anton Tschechow auch in seinen Kurzgeschichten ein großer Dramatiker ist, beweisen Stefan Dehler und Christoph Huber mit ihrer einstündigen Präsentation von boshaft-witzigen Erzählungen, in denen die Liebesbeziehungen von Mensch zu Mensch und Mensch zu Geld mit einem scharfen Augen für die moralischen Abgründe pointiert geschildert werden.

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Der Mann mit dem verschluckten Auge

Die katastrophal komische Welt des Hermann Harry Schmitz


Eigentlich sollte der Name Hermann Harry Schmitz auf einer Liste der zehn witzigsten deutschsprachigen Autoren zu finden sein. Irgendwo im oberen Drittel. Die Glossen und Kurzgeschichten des 1880 geborenen und früh verstorbenen Düsseldorfer Fabrikantensohns haben zweifellos das Zeug zu Klassikern. Hätten die Jungs der Monty- Python-Truppe schon 1910 mit anarchischem Humor Karriere machen wollen, sie hätten vermutlich bei Schmitz abgeguckt. Bei ihm wird aus einer simplen Shoppingtour mit der schrulligen Tante ein Weltuntergangsereignis von fast globaler Dimension, und ein riskantes Experiment in Sachen Selbstbetrachtung führt dazu, dass das Auge eines Mannes endlich das abenteuerliche Innere der Gedärme kennenlernt und in ein philosophisches Gespräch mit einem Bandwurm verwickelt wird. Darüber hinaus weiß Schmitz sehr pointiert von Marotten, Moden und anderen Schwächen sowie den schreiend komischen Seiten zu berichten, die furchtbar normale Dingen manchmal haben.


Stefan Dehler und Christoph Huber machen sich daran, den zu Unrecht vergessenen Meister des witzigen Grauens wieder zu entdecken und stellen in ihrer szenischen Lesung einige der schaurig-schönen Geschichten über die katastrophalen Seiten des bürgerlichen Alltags vor.

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Die Wahrheit langweilt mich, deshalb lüg' ich. Münchhausens Abenteuer
Ein literarischer Wettstreit mit den Erzählungen von Gottfried August Bürger und anderen Geschichten, die das Leben schrieb. Oder auch nicht.


Nichts ist so dauerhaft wie eine gut erzählte Lüge. Das liegt nicht selten daran, dass sie meist schillernder ist als die bloße Wahrheit. Wahr ist: Unglaubwürdiges fesselt uns stärker als Wahrscheinliches. Es kommt also nicht von ungefähr, dass der Freiherr von Münchhausen mit seinen tolldreisten Jagdgeschichten, den aberwitzigen Reise- und Kriegsberichten zum Inbegriff des faszinierenden Schwadroneurs und Lügners geworden ist, der einer ernüchternden Wirklichkeit durch schrille Fantastereien entkommt. Tatsache aber ist: Zur Feder gegriffen hat der historisch verbürgte Münchhausen nie. Es waren andere, die dem Freiherrn ein ewiges, hoch unterhaltsames, aber fiktives Leben geschenkt haben - am erfolgreichsten Gottfried August Bürger mit seinen satirisch zugespitzten Erzählungen, die im originalen Wortlaut bis heute nichts von ihrem subversiven Geist verloren haben.


Stefan Dehler und Christoph Huber machen den legendären Münchhausen zur Grundlage eines frech-fröhlichen literarischen Duells, in dessen Verlauf das prekäre Verhältnis von Wahrheit und Lüge erforscht wird. Dabei greifen sie auch auf wahre, wenn auch unglaubwürdige Geschichten zurück, die das Leben schrieb – oder Geschichten, die das Leben hätte schreiben sollen oder können. Sicher können die Zuschauer also nicht sein, wenn behauptet wird: „Alles ist wahr, so wahr, wie es eben nur sein kann.“



6. Erotische Erzählungen

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Das schwarze Dekameron

Erotische Erzählungen aus Nordafrika 


Es ist ein ungleicher Kampf, wenn die Vernunft gegen die Liebe antritt. In den meisten Fällen steht die Siegerin schon zu Beginn fest. In der Gewalt einer erotischen Fantasie werden auch ansonsten kluge Männer und Frauen zu gesetzlosen Verrückten. Angesehene Männer verwandeln sich in tolldreiste Verführer und bislang treue Ehefrauen werfen sich in die Arme von skrupellosen Liebhabern. Erst wenn der Rausch verflogen ist, kann der Verstand rettend eingreifen – wohl denen, die dann genug davon haben, um der Strafe entrinnen können.


Von der Herrschaft des Gefühls über den kühlen Kopf und den komischen wie tragischen Konsequenzen daraus erzählen die Mythen, Legenden, Märchen und Schwänke, die der deutsche Anthropologe und Kulturhistoriker Leo Frobenius Anfang des vergangenen Jahrhunderts auf seinen Reisen durch das nordöstliche Afrika aufgezeichnet hat. Sein Erzählband „Das schwarze Dekameron“ rückt die afrikanischen Erzähltraditionen in den Rang von Weltliteratur und stellt einen kulturgeschichtlichen Schatz von besonderer Bedeutung dar. Stefan Dehler und Christoph Huber stellen in ihrer szenischen Lesung Geschichten daraus vor.

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Liebe und andere Strafen

Erotische Erzählungen von Giovanni Boccaccio, Réstif de la Bretonne und aus dem alten Japan


Drei Geschichten über die Liebe: Ein Engel mit falschen Flügeln zeigt Venedigs Damen das Paradies. Eine tugendstolze französische Landadelige verliert im Strudel einer späten Leidenschaft Verstand und Ehre. Eine japanische Hofdame zieht ein Bad im Karpfenteich dem Bett ihres Verlobten vor…


Stefan Dehler und Christoph Huber schreiten mit drei Erzählungen aus drei Epochen, in denen Komik und Tragik, Lust und Schmerz, Liebe und Scham nahe beieinander liegen, das weite Feld der erotischen Sehnsüchte ab, wagen sich auf emotionale Schleichpfade und in die düsteren Gassen und Winkel der Begierden.

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Giacomo Casanova

Aus den Tagebüchern eines Verführten


Er war mindestens so oft ein Verführter wie ein Verführer: Giacomo Casanova. Der weitgereiste Venezianer traf auf seinen Fluchten, seinen Geschäfts- und Bildungsreisen Menschen aller Gesellschaftsschichten und vieler Kulturen, verliebte sich oft, wurde oft geliebt, verführte oft und wurde verführt - zu sinnlichen Genüssen, zum Glücksspiel, zu gefährlichen Intrigen und Händeln, aber auch zu geistvollen Gesprächen, zu kultiviertem Gedankenaustausch und zum Philosophieren.


Stefan Dehler und Christoph Huber stellen den großen Europäer, den notorischen Liebenden, den chronischen Flüchtling und den beredten Chronisten einer untergehenden Zeit in dessen eigenen Worten vor.



7. Literatur der Moderne

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Die Verwandlung

Szenische Lesung der Erzählung von Franz Kafka


Ein Mann erwacht und ist nicht mehr derjenige, der er war, als er zu Bett ging. Über Nacht hat er sich in ein riesiges käferartiges Insekt verwandelt. Für seine Familie, der er bislang durch sein Einkommen als Handelsreisender eine Existenz in Müßiggang verschafft hat, wird er so zu einer schweren Belastung. Der Vater reagiert mit Gewaltausbrüchen, Mutter und Schwester mit Tränen. Die Verhältnisse kehren sich um. Während er dauerhaft die Enge seines Zimmers verbannt wird, müssen Vater, Mutter und Schwester sich um Lohnarbeiten außerhalb bemühen. Zudem ist der Verwandelte auf Pflege angewiesen, die im Laufe der kommenden Wochen und Monate immer widerwilliger und nachlässiger geleistet wird. Die Situation spitzt sich zu, als drei zahlungskräftige Untermieter in die in die Wohnung einziehen. Der unerwartete Anblick des riesenhaften Käfers vertreibt die Herren. Die Familie verliert somit ein dringend benötigtes Einkommen. Nun scheint es nur noch eine einzige Lösung für das Problem zu geben: der Tod des Monsters.


Franz Kafkas fantastische Erzählung von der unerklärlichen Verwandlung des Gregor Samsa ist der literarische Bezugspunkt der Performance, die Stefan Dehler und Christoph Huber erarbeitet haben. Musik, Tanz, Rede und Aktion ergänzen in dieser Performance einander in schnellem Wechsel zu einer Abfolge von erzählenden Bildern.

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In der Osternacht

Szenische Lesung der Erzählung von Anton Tschechow mit Musik für Flöte solo


Auf der Flussfähre, die Gäste zum Ostergottesdienst im gegenüberliegenden Kloster bringt, entspinnt sich ein Gespräch zwischen einem Besucher und dem Laienbruder, der in dieser Nacht als Schiffer eingesetzt ist. Der Fährmann beklagt den Tod seines einzigen Freundes, eines Mönchs, der seine ganze Schaffenskraft der traditionellen Kunst des Lobgesangs gewidmet hatte, ohne dafür jemals besondere Anerkennung im Kloster zu genießen. Während im Anschluss der Besucher in Erwartung einer besonderen Inspiration an den turbulenten Feierlichkeiten teilnimmt, wartet der Laienbruder vergeblich auf seine Ablösung. Im Morgengrauen treffen die beiden Männer wieder aufeinander - der eine vom Spektakel der Osternacht ernüchtert, der andere trotz seiner Trauer und Enttäuschung noch immer voll Gottvertrauen.


Stefan Dehler und Christoph Huber präsentieren Anton Tschechows berühmte Erzählung, in der die Gnade der spirituellen Erfahrung mit der volksfesthaften Inszenierung der Heilsfreude kontrastiert wird, als meditatives Hörbild. Begleitet wird die szenische Lesung von der Flötistin Elisabeth Möst, die eine Vertonung zu Psalm 36, „Gott, die Quelle des Lebens“, von Thomas Daniel Schlee, Werke von Niccolò Paganini und Sigfrid Karg-Elert sowie frei improvisierend kontrastreiche, atmosphärisch dichte Klangbilder beisteuert.



8. Märchen

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Gerechtigkeit wohnt nur im Himmel

Märchen der Brüder Grimm


Nichts ist so trügerisch wie die Hoffnung. Zumindest in der Wirklichkeit. Sie verführt zum Handeln, wo geduldiges Abwarten die glücklichere Entscheidung gewesen wäre, und sie beruhigt, wo allein Aufbegehren und Kampf den Dingen eine gute Wendung geben könnte. Von derlei kritischen Betrachtungen wollen die Märchen nichts wissen. Sie sind das Genre der Hoffnung par excellenz. In ihnen erscheinen die hoffnungssatten Wunschvorstellungen von Rettung und Gerechtigkeit, Reichtum und Liebesglück als einzig mögliche Wendung des Geschehens. In ihrer Welt darf zwar gelitten werden, doch niemals endgültig. Die schönen Guten, die guten Schönen, die törichten Reinen und die reinen Toren müssen oftmals irdischen Höllen durchwandern, aber ihr Publikum darf sich sicher sein, dass irgendeine Himmelsmacht ihrem Elend ein gutes Ende macht. Denn Faulen und Dummen, den Falschen und Bösen dagegen müssen die Märchen Warnung sein. Sie sind es, die allen Wahrscheinlichkeiten zum Trotz unausweichlich zur Rechenschaft gezogen und ihrer verdienten Strafe zugeführt werden. Ihnen droht das Ausgelachtwerden im besten, Verbannung und grausamer Tod im schlimmsten Fall.


Stefan Dehler und Christoph Huber haben sich im Kosmos der Grimmschen Märchen umgetan und lichte und düstere Zonen ausgekundschaftet, haben dabei in Abgründe des Schreckens und des Schmerzes geschaut und den mühsamen Weg zu den Gipfeln der Hoffnung angetreten. Ihre schönsten Fundstücke - darunter bekannte wie unbekannte Märchen - stellen sie in einer szenischen Lesung vor.

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Gesottenes und Gebratenes

Elf Märchen der Brüder Grimm im Wortlaut der Erstausgabe, Musik von Bernd Nawothnig


Im Dezember 2012  konnte sie ihren 200sten Geburtstag feiern - die Erstausgabe der "Kinder- und Hausmärchen", mit der Jakob und Wilhelm Grimm sich weltweite Popularität sicherten. Das besondere Jubiläum war Anlass für den Göttinger Märchenland e.V. eine Lesung mit ausgewählten Märchen aus der Jubiläumsausgabe zu produzieren. Die Musik dafür stammt vom international renommierten Jazzmusiker Bernd Nawothnig. Gemeinsam mit dem Komponisten und seiner Band stellen die beiden Sprecher Stefan Dehler und Christoph Huber in einer musikalisch-szenischen Lesung bekannte und unbekannte Geschichten von vermeintlich kalten Fröschen, mutigen Schneidern, fleißigen und faulen Töchtern, nach Salat lüsternen Ehefrauen, an Nusskernen erstickenden Hühnern und seltsamen Wohngemeinschaften im Wortlaut der Originalausgabe vor.


Die Produktion ist auf CD erschienen und ist beim Göttinger Märchenland e.V. sowie bei stille hunde erhältlich.



9. Lyrik

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Generationen kommen, Generationen gehen, hirschlederen Reithosen bleiben bestehen

Ein Streifzug durch die wilde Welt der deutschen Balladen


Die Ballade. Oh je! Ein Stoßseufzer entringt sich den Eingeweihten, während sich die Ahnungslosen fragen: Was ist das eigentlich? Was vor etwas mehr als fünfzig Jahren noch in Ehren gehaltenes literarisches Allgemeingut war (ja bisweilen geradezu im Rang nationaler Kunstwerke stand), was da in den guten Stuben und in den Schulzimmern landauf und landab mal leidenschaftlich deklamiert, mal kraftlos heruntergeleiert wurde, scheint heute größtenteils vergessen. Oder zu einem unwürdigen Dasein in der Zitatenramschkiste der Popkultur herabgekommen. Hand aufs Herz: Die Zeiten sind lausig geworden für die Ballade, jenes lyrische Mittelformat der verdichteten, zumeist gereimten Kurzerzählung von unerhörten Begebenheiten, heldenhaften Menschen, Tieren oder sonstigen Sensationen. So ganz von ungefähr kommt der Niedergang der Ballade natürlich nicht. Der Zeitgeist sperrt sich inzwischen vehement gegen das zumeist als pathetische und moralinsauer empfundene Gedröhn der Verse. Die besungenen Ritter und Jungfrauen, Dolchträger und Tyrannen, die opferbereiten Bürgen und treuen Freunde, die kinderstehlenden Naturgeister und fahrenden Sänger waren ja schon zu Goethes und Schillers Zeiten nostalgisch verbrämtes Märchenzubehör. Heute taugen sie weniger denn je zum Träger einer ernsthaften Botschaft. Dabei hat die Ballade aber unbestritten ihre Qualitäten. In ihrer dramatischer Zuspitzung übertrifft sie das Theater, in Kürze und Prägnanz die Novelle und den Roman. Mit gut und spannend erzählten Geschichten kann die Ballade also allemal aufwarten.


Dass mit der Ballade doch noch der eine oder andere Blumentopf zu gewinnen ist, wollen Christoph Huber und Stefan Dehler unter Beweis stellen. Die beiden haben sich in die Tiefen (und Untiefen) deutschsprachiger Gedichtsammlungen gewagt und Bekanntes wie Unbekanntes zusammengetragen. Nun laden sie mit dem, was sich hören lassen kann, alle Balladenfans zu einem nicht immer geschmack- und stilsicheren Vortragsduell ein, bei dem die titelgebenden Reithosen unter anderem Tauchern und Erlkönigen, Birnbaumpflanzern und Steuermännern angedient werden.

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Frühling lässt sein blaues Band

Lyrik über das erste Quartal des Jahres


„Eine echte Auferstehung, ein Stück Unsterblichkeit“, so bejubelte der amerikanische Schriftsteller Henry David Thoreau Anfang des neunzehnten Jahrhunderts überschwänglich den Frühlingsbeginn - und reihte sich mit diesen Worten ein in die Riege der Poeten, die dem Frühling besondere dichterische Wertschätzung zukommen ließen. Tatsächlich: Keine Jahreszeit ist so oft und so lobend besungen worden wie der Frühling. Die Freude über das Ende der Winterkälte, das sehnsüchtig erhoffte Erwachen der Natur und den Anbruch der Zeit der Liebe waren und sind zu allen Epochen die vorherrschenden Themen der Frühlingslyrik - der unbeschwert heiteren ebenso wie der von einem wehmütigen Zug durchwehten und der mit einem satirischen Stich.


Stefan Dehler und Christoph Huber haben sich auf einen Streifzug durch „Dichterfrühlinge“ aus drei Jahrhunderten begeben und ihre schönsten Fundstücke in einer Lesung zusammengestellt: Hymnen, Oden, Balladen und Lieder im Volkston – verfasst von namenhaften Autorinnen und Autoren. Natürlich ist das tragikomische Goethesche „Veilchen“ ebenso darunter wie Mörikes berühmtes „blaues Band“, das dem Programm seinen Titel gibt. 



Stand: 04.04.2023